|
Hermann...es könnte auch jeder andere sein ...
|
Sekunde 0 |
Hermann fährt 90 km/h. Sein Auto wiegt
1.200 kg. Bei diesem Tempo stecken >im Auto 38.226 kg
Translationsenergie (nach vorne in Fahrtrichtung strebende
Wucht). Das entspricht der Wucht einer aus 2.000 Meter Höhe
abgeworfenen 250 kg Bombe, die mit einer Kraft (Gewicht) von 100
bis 300 Megapond (1 Megapond=1.000 kg) auf hartes Pflaster
knallen würde. Hermann tut von sich aus noch 2.230 kg Energie
hinzu, weil er 70 kg wiegt und auch 90 km/h fährt. Soeben fährt
er gegen einen Baum |
| Sekunde 0,1 |
Das Zehntel einer Sekunde ist vorbei. Stoßstange und
Kühlergrill sind eingedrückt, die Motorhaube beginnt sich zu
kräuseln. Der Wagen hat etwa 5 km/h an Fahrt verloren. Hermann
fühlt sich deutlich nach vorne gedrängt. Neben seinem Gewicht,
das mit 70 kg im Polster sitzt, hat er nun auch ein Gewicht nach
vorne von 170 kg. Hermann macht die Beine steif, um dieser
Neuigkeit im wörtlichen Sinn entgegenzutreten. Und er drückt
gegen das Lenkrad, damit es ihn nicht aus dem Sitz hebt. Mit den
Beinen stemmt er rund 156 kg ab, mit den Armen stemmt er auch so
30 bis 35 kg. Er hätte nie geglaubt, dass er so stark ist, aber es
gelang ihm, noch sitzen zu bleiben. |
| Sekunde 0,2 |
Die etwas härteren Teile des Fahrzeuges,
Radaufhängung und Kühler, sind soeben am Baum angekommen; Die
Verbindungen mit dem Wagen reißen ab, denn der übrige Wagen
fährt noch sehr schnell, insbesondere hinten mit dem Kofferraum.
Hermann fühlt jetzt einen mächtigen Schlag auf den Beinen,
denn der Teil des Wagens, gegen den er sich mit den Füßen
stemmt, wurde soeben auf etwa 60 km/h abgebremst. Mit den Beinen
stemmt er 350 bis 420 kg ab. Wollte er jetzt noch sitzen bleiben,
müsste er mit den Armen 220 kg am Lenkrad abstemmen, aber das
schafft er doch nicht. Seine Kniegelenke geben nach, sie brechen
einfach knirschend oder springen aus dem Gelenk. Und deutlich
spürbare Gewalt zieht ihn mit seinem Gewicht von rund 140 kg auf
einer Kreisbahn nach oben in die Ecke der Sonnenblende. Alles in
allem verteilt Hermann zurzeit insgesamt 413 kg Eigengewicht
auf seine Gliedmaßen. |
| Sekunde 0,3 |
Hermann hat jetzt ein etwas leichteres Schicksal:
Er ist mit Fliegen beschäftigt, er ist noch unterwegs zu den
Hindernissen. Seine gebrochenen Knie kleben am Armaturenbrett,
mit den Händen hält er fest das Lenkrad, das sich unter seinem
Griff elastisch biegt, und ihn um weitere 5 km/h abbremst. |
| Sekunde 0,4 |
Hermann ist noch immer unterwegs, sein Becken
stößt gegen den Lenkradkranz. Hermann ist in diesem Moment nur
etwa 100 kg schwer. Die Lenksäule biegt sich unmerklich nach
oben. Da kommt der furchtbare Moment, indem der schwerste und
stabilste Teil des Wagens, der Motor an den Baum kracht. |
| Sekunde 0,5 |
Motor und Hermann stehen still. Nur der
Kofferraum fährt noch mit 50 oder 60 km/h. Die Seitenwände des
Wagens überholen sich selbst. Die Hinterräder bäumen sich hoch
auf, zwei drei Meter hoch. Aber der Wagen interessiert uns jetzt
nicht: Was ist mit Hermann in dieser Zeit passiert? Hermann
kam im Verlauf einer Zehntelsekunde zum Stillstand. Sein Gewicht
wuchs auf 973 kg an. Mit dieser erbarmungslosen Gewalt wurde er
auf die Lenksäule geschleudert. Das Lenkrad, an dem er sich noch
immer fest hielt, brach unter dieser Stoßkraft zusammen wie eine
morsche Brezel. Mit der Kraft von rund 870 bis 920 kg (je nach
Stärke des Volants) dringt die Lenksäule als stumpfe Lanze in
seine Brust. Gleichzeitig rammt der Kopf mit einem betäubenden
Schlag die Windschutzscheibe. Hätte sich Hermann nicht mit so
übermenschlicher Kraft am Lenkrad festgehalten, dann würde er
vielleicht auch 1.300 kg schwer geworden sein, in diesem Moment.
Und dabei wären ihm die festgeschnürten Schuhe von den Füßen
geflogen. |
| Sekunde 0,6 |
Noch eine oder zwei Zehntelsekunden, dann ist
Hermann tot. |
| Sekunde 0,7 |
Nach sieben Zehntelsekunden steht der Wagen still.
Das Unglück ist vorbei. Sagen Sie einmal "einundzwanzig" das ist
eine Sekunde. Und nun sagen Sie "zwanzig": Das ist die Zeit in
die Ewigkeit für Hermann gewesen... |
|